Nach Jahren rückläufiger Mannschaftszahlen gibt es im saarländischen Frauen- und Mädchenfußball erstmals wieder ein kleines Plus. Nicole Recktenwald spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen, die größten Herausforderungen und die Strategie des SFV für die kommenden Jahre.
Saarfußball Magazin: Nicole, wie fällt dein Blick auf die neue Saison 2025/2026 im saarländischen Frauen- und Mädchenfußball aus?
Nicole Recktenwald: Aktuell sehr positiv. Nachdem in den letzten acht Jahren jedes Jahr weniger Mannschaften im Frauenbereich gemeldet wurden, können wir dieses Jahr erstmals wieder einen Zuwachs von zwei Mannschaften vermelden. Auch im Bereich der Juniorinnen haben wir weiterhin steigende Zahlen. In dieser Saison gehen 51 Frauen- und 60 Juniorinnenmannschaften an den Start!
Die Zahl der Frauenteams im Saarland ist mit 51 leicht gestiegen. Was sagt das über die Entwicklung in diesem Bereich aus – gerade auch im Vergleich zu anderen Landesverbänden?
Die meisten Landesverbände hatten in den letzten Jahren mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen. Gerade nach Corona haben viele ältere Spielerinnen nach der einjährigen Zwangspause die Schuhe an den Nagel gehängt, was sich dann natürlich auch bei den Mannschaftsmeldungen bemerkbar gemacht hat. Durch die größere Sichtbarkeit von Frauenfußball in den Medien scheint langsam die Wende auch im Amateurfußball eingeleitet zu werden.
Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen im Frauen- und Mädchenfußball im Saarland?
Wieder mehr Frauen und Mädchen in die Vereine zu bringen und die Vereine offener für Frauen- und Mädchenfußball zu machen. Zum Beispiel im Kreis Nordsaar gibt es gerade mal drei Vereine, die überhaupt Mädchenfußball anbieten!
Merkt man auch im Saarland die Euphorie nach der Frauen-EM?
Ich denke schon, dass das Erreichen des Halbfinales und die große Präsenz der Frauen-EM in den Medien auch positive Auswirkungen im Saarland haben werden. Viele Mädchen, teilweise sogar Jungs, haben jetzt nicht mehr nur männliche, sondern auch weibliche Vorbilder im Fußball! Ob die Euphorie mitgenommen werden kann, zeigt sich jetzt nach den Sommerferien, wenn die Jugendmannschaften wieder mit dem Training beginnen und die Eltern im Verein nachfragen, ob ihre Tochter Fußball spielen kann – egal ob mit Jungs oder in einer reinen Mädchenmannschaft.
Ihr habt die neue Strategie „Für Jede*n ein Zuhause“ vorgestellt – was steckt konkret dahinter?
Wir möchten mit dieser Strategie den Frauen- und Mädchenfußball im Saarland weiter voranbringen. Außerdem wollen wir Frauen und Mädchen, die sich in Vereinen in unterschiedlichen Positionen engagieren, dabei unterstützen, sich weiterzuentwickeln, indem wir auch Ausbildungen bzw. Fortbildungen nur für weibliche Teilnehmerinnen anbieten. Die Vereine müssen erkennen, wie viel Potenzial in den am Fußball interessierten Frauen und Mädchen steckt!
Was können Vereine tun, wenn sie Frauen- oder Mädchenfußball anbieten möchten – und welche Unterstützung bekommen sie vom SFV?
Die Chance nutzen, wenn bereits Mädchen bei den Jungs mitspielen – diese animieren, auch Freundinnen mit ins Training zu bringen. Außerdem bieten wir als Verband schon länger die Möglichkeit an, mit dem DFB-Mobil in vereinsnahe Grundschulen zu gehen und dort an einem Vormittag mit allen Schülerinnen, nach Klassen gestaffelt, ein Fußballtraining durchzuführen. Interessierte Mädchen werden dann durch einen Vereinsvertreter zu einem Schnuppertraining eingeladen. Dieses Angebot wollen wir weiterentwickeln und es auch in Gemeinschaftsschulen für die Klassen 5 bis 8 anbieten.
Interessierte Vereine können sich jederzeit bei mir melden (E-Mail: nicole.recktenwald@saar-fv.de), wenn sie eine solche Aktion für ihren Verein durchführen wollen. Auch eine Fußball-AG für Mädchen, die in der Schule angeboten und durch den Verein unterstützt wird, ist eine Möglichkeit, die Mädchen für den Vereinssport zu gewinnen.
Vielen Dank für das Interview!


