Seit 6. Juni 2026 steht Lars Diedrich an der Spitze des Saarländischen Fußballverbandes (siehe Bericht). Der 46-Jährige spricht über seine Wurzeln im Amateurfußball, die Bundesliga-Euphorie im Saarland, den Stellenwert des Ehrenamts und darüber, warum Zuhören für ihn zu den wichtigsten Aufgaben eines Verbandspräsidenten gehört.
Saarfußball-Magazin: Lars, wann hast du zuletzt einfach nur als Vater am Fußballplatz gestanden und ein Spiel deiner Kinder geschaut – ohne an den Verband zu denken?
Lars Diedrich: Ehrlich gesagt gelingt mir das nicht immer. Natürlich schaue ich meinen Kindern in erster Linie als Vater zu, aber der Fußballpräsident in mir ist trotzdem nie ganz ausgeschaltet. Man spricht mit den Leuten am Spielfeldrand, beobachtet Abläufe oder kommt mit Vereinsvertretern ins Gespräch. Aber genau diese Momente sind für mich auch wichtig, weil ich dort den Fußball so erlebe, wie ihn Tausende Familien jedes Wochenende erleben. Das hilft mir, den Blick für die Basis nicht zu verlieren.
Lars, wenn dich jemand fragt, wer Lars Diedrich ist, was antwortest du?
Ich würde wahrscheinlich sagen: ein typischer Vereinsmensch. Der Fußball begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich habe gespielt, trainiert, Jugendturniere organisiert und später Verantwortung im Verein und Verband übernommen. Das Vereinsleben hat mich geprägt und ist bis heute ein wichtiger Teil meines Lebens.
War der Weg zum Präsidenten geplant?
Überhaupt nicht. Ich habe nie gesagt: Irgendwann will ich Präsident werden. Ich habe einfach immer dort Verantwortung übernommen, wo sie gebraucht wurde. Aus der Arbeit im Verein wurde die Aufgabe als Klassenleiter, später die Wahl ins Präsidium. Als feststand, dass Heribert Ohlmann aufhört, habe ich mich gefragt, ob ich bereit bin, diesen Schritt zusammen mit meinem Team zu gehen. Am Ende war die Antwort Ja.
Du trittst in große Fußstapfen. Wie blickst du auf deinen Vorgänger?
Mit großem Respekt. Heribert hat den Verband mit unglaublich viel Herzblut geführt. Wir haben als Team viel erreicht und die Zusammenarbeit mit den Vereinen deutlich intensiviert. Dass wir heute so eng mit den Klubs im Austausch stehen, ist auch sein Verdienst. Auf diesem Fundament möchte ich aufbauen.
Was soll unter Lars Diedrich anders werden?
Ich glaube nicht, dass man immer alles neu machen muss. Vieles funktioniert sehr gut. Mir ist wichtig, dass wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Wir wollen transparent arbeiten, erreichbar sein und Entscheidungen erklären. Der Verband muss ein verlässlicher Partner für seine Vereine bleiben.
Du sprichst oft davon, nah an den Vereinen zu sein. Wie sieht das im Alltag aus?
Wir besuchen regelmäßig Vereine, führen Vereinsdialoge und bieten Videosprechstunden an. Dabei merkt man schnell, dass die größten Sorgen oft gar nicht spektakulär sind. Es geht um einen kaputten Platz, fehlende Ehrenamtliche oder Fragen zum Spielbetrieb. Genau diese Themen bewegen die Menschen vor Ort. Deshalb müssen wir zuhören und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Neben dem Ehrenamt leitest du beruflich einen Betrieb mit rund 200 Mitarbeitern. Hilft dir diese Erfahrung?
Ja, denn am Ende geht es immer um Menschen. Führung bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen, zuzuhören und Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen. Das gilt in einem Unternehmen genauso wie in einem Sportverband. Natürlich funktioniert ein Ehrenamt anders als ein Wirtschaftsunternehmen, aber Vertrauen und Kommunikation sind überall entscheidend.
Mit der SV 07 Elversberg spielt erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten wieder ein saarländischer Verein in der Bundesliga. Was bedeutet das?
Das ist eine außergewöhnliche Geschichte. Vor wenigen Jahren hat Elversberg noch Regionalliga gespielt, jetzt kommen Bayern München oder Bayer Leverkusen ins Saarland. Darauf können wir als Landesverband stolz sein. Solche Erfolge strahlen auf den gesamten Fußball im Saarland aus.
Und auch der 1. FC Saarbrücken sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Erlebt der Fußball im Saarland gerade einen Aufschwung?
Davon bin ich überzeugt. Das zeigen nicht nur die sportlichen Erfolge, sondern auch unsere Mitgliederzahlen. Immer mehr Menschen finden den Weg in die Vereine. Diese Entwicklung möchten wir nutzen und möglichst viele dauerhaft für den Fußball begeistern.
Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen?
Das Ehrenamt bleibt das entscheidende Thema. Ohne die vielen freiwilligen Helfer würde kein Verein funktionieren. Gleichzeitig merken wir, dass es schwieriger wird, Menschen für langfristige Aufgaben zu gewinnen. Deshalb müssen wir unsere Ehrenamtlichen unterstützen, qualifizieren und ihre Arbeit wertschätzen.
Ein weiteres Thema ist die Gewalt auf den Sportplätzen.
Jeder Vorfall ist einer zu viel. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass die überwältigende Mehrheit unserer Spiele fair verläuft. Wir setzen auf Prävention, beispielsweise mit unserem Mediatorenprogramm. Wenn Grenzen überschritten werden, reagieren wir aber konsequent. Gewalt hat auf einem Fußballplatz keinen Platz.
Welche Rolle spielt Fair Play für dich persönlich?
Eine sehr große. Fair Play endet nicht mit dem Schlusspfiff. Es geht um den respektvollen Umgang miteinander – auf und neben dem Platz. Diese Haltung möchten wir im gesamten Verband stärken.
Lars, wenn die Vereine nach drei Jahren drei Eigenschaften nennen sollen, die dich als Präsident beschreiben – welche sollen das sein?
Ich wünsche mir, dass die Vereine sagen: Er war erreichbar, hat zugehört und Entscheidungen transparent erklärt. Nicht jede Entscheidung wird jedem gefallen. Aber jeder soll nachvollziehen können, warum wir sie getroffen haben. Und ich möchte, dass die Vereine spüren, dass wir ihre Anliegen ernst nehmen.
Vielen Dank für das Interview!


